
Surfers: Hi Sebastian! Erzähl mal von dem Tag, als du die grösste Welle des Jahres 2009 gesurft hast. Wie kam es zu der Welle?
Sebastian: Die Wettervorhersage, die wir vier, fünf Tage vorher gesehen hatten, war echt komisch: Erst sah es ganz klein aus, auf einmal viel zu gross. Keiner wollte so recht glauben, was er da sah, aber schliesslich pendelte es sich auf diesem Level ein. Wir sind mit der Erwartung da reingegangen, jetzt kämen die Wellen des Jahrhunderts. Am Tag selbst waren wir superfrüh auf dem Wasser, ich glaub, um halb fünf Uhr standen wir an der Bootsrampe und um fünf waren wir auf dem Wasser. Da war es schon proppevoll, so dass man kaum noch zur Rampe durchkam. Spätestens jetzt wussten alle: Es wird krass! Als wir dann draussen waren, war das Wetter noch relativ schlecht und die Wellen unkonstant, ziemlich enttäuschend. Doch mit dem Sonnenaufgang wurden auch die Wellen besser und grösser und ab sieben Uhr waren es schon die grössten Wellen der letzten sechs Jahre. Trotzdem war es noch recht unkonstant und die Welle, die ich da surfte, war eine von ganz wenigen grossen Sets.


Es waren circa 15 Boote und vier Helikopter am Start. Alle, die Rang und Namen haben, waren da und die Stimmung war sehr respektvoll, besonders natürlich den Wellen gegenüber. Aber es trennt sich dann schnell die Spreu vom Weizen, wer wirklich die grossen Wellen will.
Echt? Merkt man das? Ich dachte immer, wer da rausgeht, will unbedingt die grösste Welle.
Das merkst du auf jeden Fall. Anfangs ist das Gerangel um die Welle noch recht aggressiv, doch wenn die grossen Sets kommen, nehmen es einige dann plötzlich deutlich gemütlicher. [lacht]
Wusstest du, als du deine Welle gesurft hast, dass es die grösste des Jahres war?
Das wusste ich nicht, aber ich wusste, dass diese sich an dem Tag von den anderen abgehoben hat und dass sie sehr, sehr gross war. Aber ich wusste nicht, ob jetzt jemand anderes vielleicht schon eine grössere Welle gesurft hat. Ich achte da auch nicht drauf.
Wie genau sieht eigentlich ein Abend nach solch einer Welle aus? Kommt man da klar? Oder ist es wie nach einer normalen Session, ein paar Bier mit Freunden trinken und das war’s?
Na ja, wir wussten, dass es am nächsten Tag auch noch gross sein würde, und wollten da unbedingt surfen. Wir hatten am ersten Tag zwei Sessions gemacht und am Abend bin ich nach Hause. Ich hatte an dem Tag auch eine Videoproduktion geleitet und musste noch alles mit den Kameraleuten und dem Helikopter klären, dann noch ein eine halbe Stunde Regenerationstraining auf dem Fahrrad und danach ins Bett. Es ist auf jeden Fall nicht so, dass du da high durch die Gegen rennst und feiern gehst. Ich hatte noch so viel Arbeit mit der Produktion, dass du wahrscheinlich nach einer normalen Session beispielsweise in Frankreich mit den Freunden mehr Spass am Abend hast als ich.

















